So fühlt es sich also an, wenn man nichts tun muss – interessant! Heute habe ich die letzte Klausur hinter mich gebracht, Sanskrit. War nicht so gut, aber ich habe auch nicht wirklich viel gelernt, weil ich das vermutlich ohnehin nicht anrechnen lasse und es deswegen ziemlich egal ist. Ich wollte nur kein „Failed“ haben, deswegen habe ich die überhaupt geschrieben. Gerade war ich dabei den Raum zu verlassen, da hat peinlicherweise mein Handy geklingelt und Nymalah hat gefragt, ob ich mich ihr zum Essen treffen will. Wir haben uns dann auch getroffen und es stellte sich heraus, dass sie mit zwei Freunden unterwegs war und sie waren bis ich ankam fertig mit essen, also habe ich dann allein gegessen und die haben zugeguckt. Ich weiß wirklich nicht, wie oft ich ihr gesagt habe, dass ich kein Interesse an einem Nepali-Boyfriend habe, aber offenbar ist das noch immer nicht bei ihr angekommen. Die zwei Leute, mit denen sie unterwegs war, waren zwei Jungs. Mit dem einen war sie die ganze Zeit am Händchen halten, der andere war netterweise für mich bestimmt. Der saß aber während des Essens die ganze Zeit da und hat ein Spiel auf seinem Handy gespielt und kein Wort gesagt. Es stellte sich heraus, dass beide auch nicht wirklich Englisch können (ich habe einen später gefragt, ob er was trinken will und er hat nichts verstanden…), also war die Kommunikation schon recht schwierig und weil Nymalah die ganze Zeit genervt hat, dass ich mit dem reden soll, habe ich nicht die geringste Lust gehabt irgendwas zu sagen und da der ja auch beharrlich geschwiegen hat und wir auch keine Sprache für die Kommunikation hatten, lief das wirklich gut. Mal ganz davon abgesehen, dass der wie 16 aussah, kleiner war als ich und ein Bild von sich selbst als Handyhintergrund hat. Wir sind zusammen dann zum Nagarjun Nationlpark gefahren, ich bin aber nicht reingegangen, weil das 500Rp für Ausländer kostet und ich für eine halbe Stunde definitiv nicht so viel bezahlen wollte. Also habe ich die reingeschickt und bin allein durch den Wald gestreift, was viel besser war, als alles, was ich mit denen hätte machen können – Adventurestyle. Für die ist nämlich einen befestigten Weg entlang gehen schon Hiking. Dann habe ich mein erstes Chang getrunken. Vorher war die Rede davon, dass wir zusammen Chang trinken. Dann stand eins vor mir und es wollte keiner was, also sollte ich da allein mittags Bier trinken. Brillant. Es schmeckt wirklich ganz lustig. Es hat mich an etwas erinnert, aber ich kann nicht sagen an was, wie das nun mal so ist. Aber ich habe wirklich nach zwei Schlucken Kopfschmerzen bekommen, die bis jetzt anhalten. Folglich habe ich das nicht allein fertig getrunken. Das hat auch gut reingehauen und ich wollte ja nicht betrunken nachhause kommen. Im Bus zurück wurde er dann gezwungen neben mir zu sitzen, obwohl er selbst gemerkt hat, dass das nichts gibt, aber Nymalah hat darauf bestanden. Ich wollte dann noch zu einem tibetischen Restaurant gehen, wo ich häufiger mit einer Freundin bin und wo man wundervoll Tibetisch üben kann. Zur Abwechslung habe ich dann mal das Bestellen übernommen, aber das Bezahlen habe ich wie immer Nymalah überlassen. Die hat mal wieder ganz selbstverständlich den ganzen Tag für alle bezahlt. Völlig jeck. Auf dem Weg zum Tibeter ist dann der Kindergarten ausgebrochen. Nymalahs Typ war aus mir nicht bekanntem Grund eingeschnappt und hat mit keinem mehr geredet. Sie meinte der sei nur auf sich selbst sauer, nicht auf uns, dann war er plötzlich sauer, weil sie den anderen Typen mitgebracht hatte und die sich angeblich nicht mögen, wovon aber den gesamten Tag nichts zu merken war. Keine Ahnung was der wirkliche Grund war. Aber so eine Kinderkacke einfach nicht mehr zu reden und Abstand zu halten. Mitgekommen ist er aber dann doch und die beiden haben so lange Sachen gemacht, bis er lachen musste. Wäre jetzt nicht ganz meine Reaktion darauf gewesen. Naja, nach dem Essen bin ich dann nachhause. Morgen treffen wir uns vermutlich, um zum Friseur zu gehen, ein letztes Mal günstig Haare schneiden und vielleicht noch ins Kino, aber ich weiß noch nicht, ob ich da so unglaublich viel Lust drauf habe. Ich überleg es mir. Mir wäre eher nach nem weiteren Filmchen mit den Unileuten, aber da geht vermutlich nicht viel, weil die letzte Klausur Freitag ist und die anderen die noch schreiben. Oh, heute Morgen habe ich aus Verzweiflung (weil es einfach soooo kalt war) einen Rat befolgt, dem ich aufgrund der Preise nicht folgen wollte. Aber es war trotzdem gut es zu tun. Ich habe zwar viel zu teuer gefrühstückt, aber dafür habe ich fast eine Stunde lang nicht gefroren. Es gibt ein Café an der Stupa, wo tatsächlich geheizt wird. Es ist entsprechend teuer, aber hin und wieder ist es einem das wert! Man muss ja nicht viel kaufen. Da werde ich mich auf jeden Fall auch morgen früh reinsetzen um das hier abzuschicken und noch einiges andere im Internet zu erledigen. Gerade habe ich wieder mit meiner süßen Mami (Anjana) gegessen. Wir sind jetzt Facebookfreunde und ich habe ihr auf Nachfrage Bilder von zuhause und der Familie gezeigt, die sie natürlich alle super findet. Sie meint ich seh aus wie meine Mama. Hm, das ist mir neu, ich dachte immer ich seh aus wie der Papa, aber für die sehen eh alle Weißen gleich aus. Kann ich keinem verübeln. Für mich sehen auch alle Asiaten gleich aus, abgesehen von denen, die ich gut kenne. Onion, Koriander, Kurkuma, Sesam, salt, Wasser in den Mixer – gibt super Pickle. Man verzeihe mir die Sprachmischung. Die Sachen, die sie mir in Nepali gesagt hat, habe ich in Deutsch übersetzt…Mein Kopf ist ein einziges Sprachchaos – Deutsch, Englisch, Nepali, Tibetisch. Ich muss mich richtig konzentrieren um bei einer Sprache zu bleiben. Ujjwal kann jetzt abends leider keinen Reis mehr essen. Anjana sagt „Cholesterol“, er sagt von seiner Mutter, dass sie abends keinen Reis mehr isst um abzunehmen. Ich vermute das ist bei ihm auch eher der Grund. Er redet ja auch die ganze Zeit davon, dass er abnehmen will und macht angeblich jetzt ganz viel Sport. Kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Jetzt bewegt er sich nicht einmal mehr zum Essen nach oben und kriegt das Abendessen nach unten gebracht. So, ich muss sagen, dass ich einiges hier doch vermissen werde. Allem voran Anjana und das Baby. Außerdem meine zwei Lieblingstibeter und die Tatsache, dass ich hier so einfach Tibetisch üben kann. Ich werde doch sicher alles verlernen, wenn ich das nicht mehr so schön anwenden kann. Sobald man aus der Stadt kommt ist es außerdem wirklich schön und hin und wieder das gute Essen wär auch nicht schlecht, auch wenn ich mich gerade wieder tierisch auf westliches Essen ohne Reis freue! Auch ein paar wenige Unileute werden mir wirklich fehlen, aber dafür habe ich ja dann alle wieder, die ich jetzt vermissen muss, außer der doofen Katrin! Bis bald dann! Haha, heute habe ich die Trickots bekommen, die Ujjwal mit vor ewiger Zeit versprochen hat. Ich hätte nie damit gerechnet, dass der das noch macht und natürlich ist alles falsch und teurer, als wenn ich selbst gehandelt hätte, obwohl ich kein Nepali spreche und nicht gut im Handeln bin. Aber immerhin hat der wirklich daran gedacht...

18.12.14 08:01, kommentieren

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Der Countdown läuft.

12.12.2014 So, die letzte Woche steht bevor. Uni ist schon vorbei, es stehen nur die Prüfungen noch an. Also muss ich das Wochenende mit auswendig lernen verbringen. Vokabeln, die Texte für klassisches Tibetisch und haufenweise Paradigms für Sanskrit. Aber gerade ist meine Motivation nicht groß. In der Sonne war es heute zwar schön warm, aber heute Nacht habe ich auch mit diversen Schichten und nem Fliespullover noch gefroren. Mein Zimmer hat gefühlt Minusgrade und es ist total dunkel hier drin und Strom ist gerade mal wieder nicht da. Das ist jetzt immer häufiger der Fall. Unpraktischerweise haben wir immer dann Strom, wenn ich nicht zuhause bin. Da will man sich doch eindeutig lieber unter der Decke verkriechen und schlafen und Hörbücher hören und lesen. Ich habe hier einfach nicht die Klamotten für das Wetter. Auch wenn ich alles übereinander ziehe friere ich noch. Aber es geht allen gerade so, dass sie vor lauter frieren nicht gut lernen können. Abgesehen von der Kälte ist auch die Oma wieder zurück, weiß der Himmel warum, was bedeutet, dass ich nicht mehr in der Küche lernen kann. Die unterhält sich dann immer äußerst gerne und redet eben immer mit sich selbst. Auch das Baby motiviert mich nicht gerade, das will immer mit mir spielen und ich will auch so viel lieber spielen als zu lernen, also lenkt der mich extrem ab und ich kann nicht draußen lernen. Aber ich kann mich nicht beschweren. Ich fühle mich recht gut vorbereitet, außer für Sanskrit, aber das kommt noch. Das Wochenende werde ich auf jeden Fall noch ganz viel lernen und Mittwoch um 10h ist alles vorbei. Gestern war mal wieder Puja, deswegen gab es mittags keinen Reis, sondern etwas, das wie Wirsingsuppe geschmeckt hat. Diesmal wurde der höchste Gott geehrt. Ujjwal hat das so erklärt: Verschiedene Gruppen haben einen höchsten Gott, zu ihrer Gruppe gehören etwa 200 Familien. Einen Namen hat der Gott aber nicht, es handelt sich eher um ein Konzept. Alles etwas sonderbar, wie alle Erklärungen, die die mir geben. Heute gab es dafür ein sehr interessantes Mittagessen: Dill als Gemüse. Naja, zumindest schmeckt der Reis dann nach was, aber leider schmeckt das so stark, dass man mein liebes Sesampickle nicht mehr geschmeckt hat. Die ganze Woche schon versuchen wir einen Filmabend auf die Beine zu stellen, aber jedes Mal ist Ramsterdam, die Bar, wo wir immer Filmchen gucken, schon belegt und es klappt nicht. Dafür gehen wir dann nachher ein Bierchen trinken und vielleicht läuft ja ein guter Film heute, dann können wir mitgucken. Ich hätte ja eigentlich lieber einen Glühwein…Mal schauen, ob wir den Filmabend noch irgendwann schaffen. Nächste Woche hat da keiner den Nerv für, wegen der Prüfungen und Freitagabend, wenn es für alle vorbei ist, gehen wir natürlich alle zusammen feiern. Oh, ich habe noch gar nicht von meinem wunderbaren Frühstück erzählt. Karolina, eine Freundin, hat mich zu sich zum Frühstück eingeladen und es gab getoastetes Toast mit Streichkäse, Müsli mit Obst und richtigen, mit der Hand aufgegossenen Kaffee. Das war mal ein wunderbarer Tagesbeginn, ein guter Vorgeschmack auf zuhause. Wie ihr merkt, ist gerade wieder alles ungeheuer spannend. Doch, ich habe heute sehr hilfreiche Sachen in Sanskrit gelernt, das erste Mal. Das kölsche Grundgesetz auf Sanskrit: yatha asti – et es wie et es! Und Kamasutra heißt „stanzas of desire“. Außerdem hat mir meine Languagepartnerin, eine die ich sehr gerne mag, heute von einem Vorfall in einer indischen Schule erzählt, bei dem ein Kind als Strafe geschlagen wurde und zwar so übertrieben, dass es am Ende gestorben ist. Juhu, für eine schlechte Note zu Tode geprügelt. Also nicht die Eltern haben das Kind erschlagen, sondern der Lehrer und die Schule soll auch noch eigentlich einen guten Ruf haben. Völlig jeck! Zugegeben, da haben wir einfach gequatscht statt Tibetisch zu reden. Im Prinzip haben wir gestern schon alles durchgesprochen, was bei der Prüfung drankommen könnte. Seit heute bin ich aber wieder ein wenig beruhigt, denn ich habe endlich rausgefunden, welcher Languagepartner uns zusammen mit Choegyal, unserem tibetischen Lehrer, prüfen wird. Es ist eine süße, kleine, tibetische Nonne, die glaube ich ganz verständlich spricht, auf jeden Fall sehr nett ist und eher beruhigend wirkt. Mit der kann ich leben. So, bis bald! Nachtrag: Meine Gastmami war heute wieder unglaublich süß. Ich habe ihr erzählt, dass ich zuhause Nepali kochen will, aber ein paar Gewürze hier kaufen muss, weil es die zuhause nicht, oder nur teuer gibt. Daraufhin hat sie mir etwas von dem einen Gewürz eingepackt, damit ich kochen kann. Voll putzig. Ich werde zwar trotzdem noch was kaufen, weil das nur für einmal kochen reicht, aber das ist doch schon sehr lieb. Ich glaube die freut sich auch immer, wenn ich auf sie warte, wenn sie noch isst. Sonst muss die nämlich alleine essen und putzen und meistens leiste ich ihr dann Gesellschaft, damit sie da nicht so alleine ist, mag ich ja auch nicht.

13.12.14 07:39, kommentieren